Inhalt: Die im Kanton Aargau wohnhaften oder tätigen Psychologinnen und Psychologen haben sich zu Beginn des Jahres 1978 in Baden zum Verband Aargauer PsychologInnen zusammengeschlossen. Seit 1989 ist der VAP Mitglied der Föderation Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP). Die Ziele des Verbandes sind Information und Aufklärung im Bereich der Psychologie, Bekanntmachung der Dienstleistungsangebote, Verbesserung der psychologischen Versorgung der Bevölkerung, Schutz vor ungeeigneten psychologischen Angeboten.
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Verband Aargauer
Psychologinnen und Psychologen
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Erika Blumer
Kinder- und Jugendpsychologin FSP, Psychotherapeutin FSP
Gegen 120 Fachleute und Jugendliche fanden an diesem trüben Novembersonntagmorgen den Weg ins Kultur- und Kongresshause in Aarau. Schade, dass es nicht mehr waren, denn es war eine interessante, facettenreiche Tagung. Kurze Fachreferate wechselten mit faszinierenden, kraftvollen Rap-, Hip Hop- und Tanzszenen von jungen Erwachsenen ab. Die Band Rapas und der Hip Hoper Black Tiger überzeugten mit eindrücklichen Stimmen und Texten und Noemi Fricker und Noemi Eichenberger mit ihrer Choreographie zum Thema Jugendgewalt.
Professor Ueli Mäder, Psychologe und Soziologe, referierte über gesellschaftliche Aspekte der Gewalt, wobei er eine Diskursveränderung hin zu einer eingeschränkteren Sicht auf situative Aspekte in der Gewaltdynamik ausmachte. Da reicht einer Jugendlichen als Erklärung für ihren Angriff auf ein anderes Mädchen bereits ein "blödes Gucken". Als Perspektive hielt Herr Mäder fest, dass ein gewalttätiger Jugendlicher nur etwas verstehen und ändern könne, wenn er auch in Kontakt zu seinen Gefühlen komme. Weiter wies er darauf hin, dass die Schere zwischen Reich und Arm immer weiter aufgeht, und dass dies weltweit für 1,2 Milliarden Jugendliche im Zusammenhang Berufsausbildung und Arbeit von zentraler Bedeutung sein wird.
Der Psychologiestudent Urs Baur (Black Tiger) schilderte entwicklungspsychologische Aspekte und zählte auch Risikofaktoren bezüglich Gewaltdelikten auf. Er fand keine Elemente von Gewalt, die es nicht auch schon früher gegeben hätte, mit einer grossen Ausnahme allerdings - nämlich der viel grösseren Verfügbarkeit von Gewalttaten über das Handy und das Internet.
Einen heissen Konflikt von insgesamt 40 beteiligten Jugendlichen auf dem Pausenplatz schilderte die Sozialarbeiterin, Frau Creszentia Heini Otero. Mehrmalige Gespräche mit den Rädelsführerinnen alleine und zu zweit und eine Androhung eines schulischen Time-outs bei Wiederholung wurden notwendig, um die Situation zu beruhigen. Die Gewaltsituationen seien oft vielschichtig.
Laut Leutnant Elisabeth Sintzel von der Kantonspolizei Aargau, die die Projektgruppe "Massnahmen gegen Jugendgewalt" leitet, haben 15-20 % der Jugendlichen diesbezüglich mittlere Risikofaktoren, 3-5 % schwere. Jugendliche mit Migrationshintergrund begehen 50 % der jugendlichen Gewaltdelikte. Als Massnahmen dagegen werden unter anderem Hotspotkontrollen in Uniformen an einschlägig bekannten Orten und Zeiten und "runde Tisch-Gespräche" mit Fachpersonen in den Gemeinden durchgeführt.
Der Jugendanwalt Hans Melliger hielt fest, dass 80 % der Jugendlichen sozial gut eingebunden sind. Das Jugendstrafrecht sei ein Täterstrafrecht, im Gegensatz zum Tatstrafrecht der Erwachsenen. Bei Einzeltätern brauche es oft eine intensive Einzelabklärung, um eine geeignete Massnahme zu finden, das Delikt an und für sich sei dafür nicht ausschlaggebend. Auch bei Bandendelinquenz müsse jedes einzelne Mitglied durchleuchtet werden. Wo möglich favorisiert er den Täter-Opfer-Ausgleich und Mediation.
Der Psychotherapeut Thomas Estermann betonte, dass eine Reemotionalisierung der Schule notwendig sei, damit es wieder zu einer Einheit von Denken, Fühlen und Handeln komme.
In der angeregten Podiumsdiskussion appellierte ein junger Erwachsener mit kosovarischem Migrationshintergrund an Berufsausbildner:"Lernt uns doch bitte zuerst kennen, bevor ihr eine Lehrstellenbewerbung einfach wegen unseres Namens ablehnt." Frau Sintzel riet, bei Gruppengewalt von Jugendlichen nicht einzeln, sondern nur mit Unterstützung von anderen Erwachsenen energisch Stopp zu rufen und Einhalt zu gebieten.
Bei aller in dieser Berichterstattung zusammengefasster Thematik ist mir als Kinder- und Jugendpsychotherapeutin wichtig festzuhalten, dass 80 % der Jugendlichen sozial gut integriert sind und keine Gewaltdelikte begehen.
Folgende Referate können als pdf heruntergeladen werden:
Strafverfolgung
von Lt. Elisabeth Sintzel, Kapo Aarau, ehemalige Jugendanwältin, Leiterin Projektgruppe "Massnahmen gegen Jugendgewalt"
Praktische Arbeit mit Jugendlichen
von Creszentia Heini-Otero, Schulsozialarbeiterin, Schule Suhr
Matinée-Themen 1998-2010
Pressemitteilungen zu früheren Matinées
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