Inhalt: Die im Kanton Aargau wohnhaften oder tätigen Psychologinnen und Psychologen haben sich zu Beginn des Jahres 1978 in Baden zum Verband Aargauer PsychologInnen zusammengeschlossen. Seit 1989 ist der VAP Mitglied der Föderation Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP). Die Ziele des Verbandes sind Information und Aufklärung im Bereich der Psychologie, Bekanntmachung der Dienstleistungsangebote, Verbesserung der psychologischen Versorgung der Bevölkerung, Schutz vor ungeeigneten psychologischen Angeboten.
Hinweis: Sie haben die von uns definierten Style-Sheets (CSS) abgeschaltet oder Sie nutzen leider einen älteren Browser, daher wird diese Seite anders dargestellt.
Hinweis: Weitere Informationen über die Darstellung dieser Website finden Sie in den Besucherinfos.

Verband Aargauer
Psychologinnen und Psychologen
Sekretariat
Helen Wehrli
Vorstadtstrasse 60
5024 Küttigen
Tel. 062 827 13 74
E-Mail
Unsere Internet-Adresse: www.vap-psychologie.ch
Pilotstudie : 31 Interviews mit Frauen über die erste Zeit nach der Geburt
Zusammenfassung der Resultate 2007
Von Juni 2004 – 2005 führten 7 Mitglieder unserer Fachgruppe halbstandardisierte Interviews mit 31 Müttern durch. Hier nun die Zusammenfassung der Auswertung.
1. Stichprobe: Alle befragten Frauen waren verheiratet, das Durchschnittsalter war 34 Jahre. 19 Mütter hatten 1 Kind, 9 Frauen 2 und 2 Frauen 3 Kinder. Das jüngste Baby war 2 ½ Monate alt, das älteste 2 Jahre. Ein Drittel der Frauen hatte einen Hochschulabschluss und zwei Drittel eine Fachlehre. 7 Frauen waren in Gesundheitsberufen ausgebildet.
2. Erziehungs- und Berufsarbeit: Die meisten Ehepartner der befragten Frauen waren 100%ig berufstätig, die befragten Müttern waren mehrheitlich teilzeitlich berufstätig und eine vollzeitlich. Eine externe professionelle Hilfe (Krippe, Tagesmutter) beanspruchte nur ein Viertel der Frauen. Für Hütedienste sprangen oft Verwandte (vor allem die eigene Mutter der Befragten oder Schwester) ein.
3. Zufriedenheit früher und heute: Gleich nach der Geburt sagte über ein Drittel der Frauen, seien sie unzufrieden bis sehr unzufrieden gewesen. Dies vor allem wegen Schreien des Babys, Koliken, Schlafproblemen, Krankheiten, Angst vor der Verantwortung, Stillproblemen. Mit der aktuellen Situation hingegen waren über zwei Drittel der Mütter zufrieden bis sehr zufrieden.
4. Schönstes und schwierigstes Erlebnis nach der Geburt: Am schönsten wurden von der Hälfte der Befragten der soziale Kontakt zum Baby (wenn es lacht, fröhlich ist) erlebt, sowie die Erfahrung, eine Familie zu gründen und Mutter zu werden. Auch das Gefühl von Glück und Erfülltheit über das Baby, der Körperkontakt (Stillen und Pflegen) und die Begleitung der Entwicklung des Babys wurden genannt. Von einem Sechstel wurde die Gesundheit/Gesundwerden des Babys genannt (z.B. nach Frühgeburt, Krankheit des Babys) und von 2 Frauen die Dankbarkeit über die Unterstützung des Partners. Am schwierigsten wurde von über einem Drittel der Befragten die eigenen Ängste und Unsicherheiten, die grosse Verantwortung rund um die Uhr, die Verarbeitung einer sehr schwierig erlebten Geburt (z.B. bei Notfallkaiserschnitt) erlebt sowie von knapp einem Drittel das häufige Schreien des Babys, bzw. Koliken und Krankheiten des Babys (z.B. bei Spitalaufenthalt). Von einem Fünftel der Befragten wurde als negativstes Erlebnis der eigene Schlaf-
mangel, Verstimmungen, Probleme beim Stillen bzw. Trinkprobleme des Säuglings sowie Probleme in der neuen Rolle als Mutter und Partnerin genannt.
5. Ressourcen: Die wichtigsten helfenden Bezugspersonen sind die eigene Herkunftsfamilie (eigene Mutter, Schwester),der Ehemann, und Freundinnen für Gespräche, von einem Drittel der Mütter der Austausch mit Frauen in der gleichen Situation nach der Geburt (z.B. im Kurs für Rückbildungsturnen). Als hilfreiche Fachpersonen nannte ein Drittel die Hebammen, ein Fünftel die Stillberaterinnen und Hausärzte. Hingegen wurden Kinderärzte, Gynäkologen, Mütterberaterinnen selten genannt, ebenfalls Psychologen (nur, wenn schon vorher ein Kontakt bestanden hatte). Entlastung in der Hausarbeit (Spitex, Putzfrau) wurde von einem Viertel der Befragten genannt. Mit der eigenen Ernährung sind über zwei Drittel der Frauen zufrieden bis sehr zufrieden. Mit der eigenen Fitness hingegen sind die Befragten weniger zufrieden, d.h. über ein Drittel bezeichnen dieses als ungenügend bis gar schlecht. Als Hobbies werden sportliche Aktivitäten wie Wandern, Spazieren, diverse Sportarten (teils auch mit dem Baby) genannt, das Lesen (z.B. wenn das Baby schläft) und Ausgang oder Berufstätigkeit, seltener die Gartenarbeit. Kaum als eine Ressource wurde ausreichend Schlaf genannt.
6. Probleme rund um die Geburt und Geburtseingriffe: Zwei Drittel der Befragten erlebte Stress kurz vor oder während der Geburt (z.B. bei Schwangerschafts-vergiftung, falscher Lage, Absinken der Herztöne des Babys, Erschöpfung nach sehr langer Geburtsdauer ) und bei 12 von 46 Kindern musste ein Notfallkaiserschnitt durchgeführt werden. Bei 5 Geburten war der Kaiserschnitt im voraus geplant. Es gab 5 Frühgeburten, davon 1 Zwillingsgeburt und 2 Sturzgeburten.
7. Probleme des Babys im ersten Lebensjahr: Über 1/3 nannte das exzessive Schreien bzw. Koliken in den ersten 3 Monaten , ebenso oft traten Schlafprobleme des Säuglings auf sowie Saug- und Trinkprobleme auf. Seltener, aber als sehr belastend wurden von einem Fünftel der Mütter Krankheiten des Babys genannt (z.B. mit Spitaleintritt), Probleme mit Frühgeborenen und Hautprobleme.
8. Psychische Probleme kurz nach der Geburt: Von fast allen Frauen wurde zuerst die Erschöpfung genannt, ebenso Konzentrationsstörungen und ein hohes Erregungsniveau mit starker Sensibilität, Reizbarkeit und Überempfindlich-keit . Depressive Verstimmungen nach der Geburt erlebte ebenfalls die grosse Mehrheit der Frauen, hingegen waren Suizidgedanken selten (nur bei 2 Befragten). Leichte bis mittlere Ängste traten bei über zwei Drittel der Frauen auf. Traumatisch erlebte Geburten schilderten über die Hälfte der Frauen, davon 1/3 in schwerer Ausprägung. Schwache bis mittlere körperliche Beschwerden wurden von über der Hälfte der Befragten genannt (unspezifisches Krankheitsgefühl, Schwindel und Kopfweh, Brustentzündungen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Infektionen). Seltener war ein leichtes körperliches Entfremdungsgefühl. Sexuelle Probleme nannten zwei Drittel der Frauen. Leicht bis mittel ausgeprägte aggressive Gedanken, z.B. Zwangsgedanken traten bei der Hälfte der Befragten auf (Angst vorm Fallen lassen, Kindstod nachts) oder feindselige Gefühle zum Baby (z.B. beim nächtlichen Schreien) sowie Ablehnung/ fehlende positive Gefühle zum Baby (z.B. verspäteter Beziehungsaufbau im Spital), Ein mittel starkes Gefühl der Ich-Entfremdung tauchte bei einem Fünftel der Frauen auf.
9. Interesse an Selbsthilfegruppe nach der Geburt: Zwei Drittel der Befragten würden an einer solchen Gruppe teilnehmen, z.B. dann, wenn psychische Probleme auftauchen würden,
10. Unerfüllte wichtige Bedürfnisse: Wieder beruflich tätig zu sein, zeitweilige Entlastung von den Kindern zu haben, mehr Kontakt zu andern Frauen zu pflegen sowie mehr Zeit für die eigenen Hobbys zu haben wurde von 1/6 gewünscht.
11. Erhaltene Infos zur postpartalen Depression: Bei der Hälfte der Frauen über Austausch mit andern Frauen (wobei in Geburtsvorbereitungskursen meist ungenügende Info) sowie über Printmedien, seltenere aber gute Infos durch Hebammen und Stillberaterinnen.
12. Wünsche an den VAP: Weitere Öffentlichkeitsarbeit, Enttabuisierung von PPD. Im weiteren eine psychologische Anlaufstelle für Frauen nach der Geburt, bessere Informiertheit der medizinischen Fachleute über PPD, mehr Infos vor der Geburt über psychische Probleme (z.B. bedrohliche Gedanken, Ängste), über spezielle Geburten (z.B. Frühgeburt, Zwillinge) sowie über die neue Mutter- und Partnerrolle nach der Geburt.
COPYRIGHT VAP 2009
Verband Aargauer PsychologInnen
Sekretariat
Helen Wehrli
Vorstadtstrasse 60
5024 Küttigen
Tel. 062 827 13 74
E-Mail
Unsere Internet-Adresse: www.vap-psychologie.ch